Gastbeitrag von Thomas Knuth: Nur nicht die Orientierung verlieren

20111102_thomas_knuth.jpg von Thomas Knuth, exklusiv für askalo Berlin

Was habe ich geflucht in meinen ersten Monaten in Berlin! Am Kaiserdamm suchte ich Hausnummer 63. Als ich sie gefunden hatte, stand der Name des Kollegen, der mich eingeladen hatte, nicht an der Klingel. Ich war ja auch schon in der Bismarckstraße. Am Ku'damm musste ich in Nummer 12. Die fand sich aber nicht, wie in meiner ordentlichen süddeutschen Heimat, gegenüber von Nummer 11, sondern direkt daneben. Ein andermal wollte ich in die Berliner Straße. Kann ja nicht so schwer sein, dachte ich, und ließ mir den Weg an der Tankstelle beschreiben. Der Tankwart war sehr freundlich. Allein in Reinickendorf gibt es aber zwei Berliner Straßen (Tegel und Hermsdorf), in ganz Berlin deren zehn...
Straßen, die ohne Vorwarnung den Namen wechseln, und das teilweise mehrfach, Hausnummern, die mal fortlaufend, mal alternierend vergeben sind, Straßennamen, die sich gleich mehrmals auf dem Stadtplan finden - das sind Fallstricke, mit denen man als Neuberliner erstmal nicht rechnet. Und die Tatsache, dass Berlin größer ist als das Ruhrgebiet, als Frankfurt, Köln und Stuttgart zusammen, größer sogar als New York, macht die Sache nicht einfacher.

Was mir schließlich geholfen hat? Vor jedem Ausflug den Stadtplan zu konsultieren. Die Berliner Pläne weisen ja Hausnummern und damit das System der Nummerierung aus: Hufeisen oder Zickzack. In der Friedrichstraße geht es auf der rechten Seite mit Nummer 1 los, am Ende der Straße springt die Nummerierung auf die gegenüberliegende Seite und läuft zurück. Die Methode geht übrigens auf Friedrich Wilhelm III. zurück, der sie 1799 einführte. Die „Linden" dagegen sind so nummeriert, wie es die Restrepublik gewohnt ist: auf der linken Seite die ungeraden, auf der rechten die geraden Nummern. Der Neuberliner, speziell der schwer bepackte, sollte sich also besser vorher informieren, wie seine Zielstraße getaktet ist, bevor sich auf eine Via Dolorosa der Berliner Art macht.

Hilfe für Verirrte bieten die großen Wandkarten, die in U- und S-Bahnhöfen und in den Wartehäuschen der Buslinien hängen. Es empfiehlt sich aber, eine Lupe (und nachts am besten auch eine Grubenlampe) mit sich zu führen, die Beschriftung ist elend klein. Der Neuberliner tut zudem gut daran, sich möglichst schnell mit den U- und S-Bahnlinien vertraut zu machen und den Linienplan wenigstens am Anfang stets dabei zu haben. Noch ein Tipp: Wer sich verläuft, stößt früher oder später auf einen U-oder S-Bahnhof. Von dort findet man dann wieder schnell zurück auf den rechten Weg.


Über den Autor:
Thomas Knuth wurde in Mannheim geboren: Nach dem Studium der Germanisitik und Geschichte hat er mehrere Jahre in Frankreich, Italien und in den USA gelebt. Seit 2007 arbeitet er freiberuflich als geprüfter Gästeführer und Sachbuchautor in Berlin. Seinen Berlin Ratgeber "Berlin for Beginners" haben wir euch im askalo Blog bereits vorgestellt. Zuletzt hat Thomas Knuth einen neuartigen Stadtführer zur Medizingeschichte Berlins vorgelegt: „Das medizinische Berlin - Ein Stadtführer durch 300 Jahre Geschichte", Bebra Verlag Berlin 2010.

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1 Kommentar

Das ist ein interessanter Tipp mit den Straßen in Berlin! Ich kann mir das sehr gut vorstellen, da mich selbst schon die Hausnummern in anderen Städten verwirrt haben.

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